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365 TAGE THEATER

Dienstag, 27. Januar 2026:

Zum 15-jährigen Jubiläum des DHT schrieb Wolfgang Riedelbauch damals:


15 Jahre sind kein Jubiläum
Das Dehnberger Hof Theater macht weiter

Fluchtburg Dehnberg nachvollziehbar auch heute noch, 15 Jahre später

Schon von weitem grüßt der Ort, im Hintergrund die Festung Rothenberg, doch erst nach einer Tauchfahrt durch Talnebel erreicht man das Dorf Die Vision eines Kulturzentrums stand nicht am Anfang die Vorstellung von 30000 Besuchern im Jahr hatte mich damals eher abgeschreckt als motiviert.

Refugium sollte der Hopfen-Bauernhof sein, Flucht aus jahrelanger intriganter Theaterpraxis mit ihrer Überheblichen und wissenschaftlichen Arbeitsweise war der Grund für Dehnberg. Traum von Unabhängigkeit, autark sein bis hin zur Ziegenzucht, zur Produktion von Käse und Butter. Vom Schein zur Realität, zum eigenhändigen Mauern von Rundbögen, zum Verlegen Solnhofer Platten, zum Löten von Kupferrohren. Und privates Musizieren mit Freunden, jederzeit und beliebig lange. Vielleicht auch Zeit und Ruhe zum Vollenden einer Dissertation über fränkische Musikgeschichte.

Es ist anders gekommen, der Spaß am Musizieren im organisch gefugten Gehöft war ansteckend, eine Nachfragewelle reißt alle mit. Mich und Freunde der ersten Stunde, den idealistischen Chorvorstand und Bauunternehmer Moller, Gerd Fischer, Christian Peter Rothemund, Jorg Bolz, den Hans Sachs Chor…

Aus Hausmusik wurde Hofmusik, daraus Stallmusik und dann Scheunenmusik. Doch schon auch Neid und Missgunst, der Erfolg schien verdächtig, sogar in Dehnberg. Die eine Seite argwöhnte linke Programme, linke Zuschauer, vielleicht gar Terroristen im Heu. Die andere Seite entdeckte elitäre Kammermusik, dicke Autos im Hof, Nerzjäckchen… O wie wohl sitzt man zwischen den Stühlen, „im Niemandsland der Vernunft”, im geistigen Höhenluftkurort.

Echtes Interesse und Zuwendung jetzt auch von Politikern, ohne Parteischeuklappe. Neben erfreulicher Anerkennung brachte der Erfolg schmerzhaftes Schulterklopfen und damit auch die Angst, als Clown vereinnahmt zu werden. Die Freiheit ist nichtgrenzenlos, nicht mal für unseren Pfau Maximilian, der erfahren musste man scheißt nicht ungestraft hochrangigen Theaterbesuchern aufs Haupt. Und doch eine Vision: Kulturschaffende aller Gemeinden vereinigt Euch, alle kulturellen Einrichtungen ziehen an einem Strang, um die Glocken der Kultur über Alltagsgezänk und Müllentsorgung übers Nürnberger Land mächtig tönen zu lassen. Aus der Traum: Misstrauisch gewachsene Parzellierung allenthalben, selbstgewählte Begrenztheit? Das Dehnberger Hof Theater macht weiter. Ich will hier das aufführen was mir gefällt, und deshalb gefällt es auch dem Publikum. Es kommt nicht, um sich zu ärgern, wir nehmen es ernst auch im Verlangen nach guter, geistvoller Unterhaltung. Theater für Bildungsbürger!

Das Dehnberger Hof Theater lebt. Von seinem ganz besonderen Publikum in erster Linie, von seiner internationalen Künstlerfamilie (im wahren Sinn des Wortes) um die gute Fee Christa, von engagierten Freunden im Vorstand des Theatervereins, von Gagen auf Provinzniveau und Großstadt-Leistung und vom Charme des Provisoriums.

Jedoch, Charme der Improvisation auf der Bühne wird zum Harm dahinter: bei 200 Vorstellungen im Jahr. Unzumutbarkeiten für Künstler und Kulissen… Es wird sich ändern.

Das Dehnberger Hof Theater macht weiter.

Wolfgang Riedelbauch

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