Mobiliar gesucht

Verfasst von Ralf Weiß

Dienstag, 18. Januar 2022

Nun ist er wieder da, der „Runde Tisch“ und die Kultur durfte sich unlängst an selbigen setzen. Geschickt gemacht, denn diese Sitzordnung suggeriert ein Treffen auf Augenhöhe unter Gleichberechtigten, die trotz abweichender Individualinteressen einen von allen Seiten anerkannten Kompromiss finden wollen.

Und der Sicherheitsabstand?
Bei sagen wir mal sechs bis acht Teilnehmern, hätte der Tisch einen imposanten Durchmesser. Das scheint auch der Tisch bemerkt zu haben, zieht sich vor meinem geistigen Auge immer weiter in die Länge, bis weit entfernt an beiden Enden, aber mit dem hygienisch korrekten Abstand, sich Kultur und Politik nun versuchen zu verständigen. Aber es ist zu laut. Was ist da los? Die Kultur traut ihren Augen nicht, am anderen Ende wird gegessen, getrunken und laut gefeiert.

Schnipp! Ein Tagtraum, gilt nicht, kann ja auch gar nicht sein. Runde Tische habe ich schon gesehen. Im Möbelhaus.

Um Mobiliar im weitesten Sinne geht es auch in unseren Veranstaltungen am kommenden Wochenende.

„Komödie im Dunkeln“
Brindsley braucht mehr als einen runden Tisch. Er braucht schöne, wertvolle Möbel. Ein Mäzen hat sich für einen Besuch angekündigt, um seine Kunstwerke in Augenschein zu nehmen. Dazu der Vater seiner Freundin No. 1. Aus der Nachbarwohnung seines Freundes wird kurzerhand die benötigte Einrichtung ausgeliehen. Na ja, ganz korrekt ist das nicht. Ist ihm aber egal. Kurz vor dem avisierten Besuch – Kurzschluss! Dunkelheit im ganzen Haus.
Kein kleines Problem und der Elektriker lässt auf sich warten. Das Chaos beginnt, als sich Brindsley, seine Freundin No. 1, der Vater, Freundin No. 2, der Besitzer der Möbel, eine Nachbarin, der Elektriker und der Mäzen in der, keine Blicke durchdringenden Finsternis, begegnen.

Stopp, werden Sie sagen – alles dunkel, warum gehe ich dann ins Theater?
Der Autor der Komödie Peter Schaffer hat sich etwas Besonderes einfallen lassen. Alle Schauspieler auf der Bühne spielen im vollen Bühnenlicht so, als wären sie in einem dunklen Raum. Das ist großartig, denn wir, die Zuschauer, können mit einer unerbittlichen Genauigkeit sezierend den Figuren zuschauen, während diese sich in der Sicherheit der Dunkelheit wähnen.

Also, Freitag, Samstag oder Sonntag, Sie haben die Wahl.
Wir sind da.

Ihr
Ralf Weiß

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